Anleitung Tipmodellage Nail Art

Auch wenn die Profis unter den Nail Designern auf die Verlängerung mittels Schablone verweisen und diese auch in vielen Fällen verwendet wird, so ist doch die Verlängerung mit einem Tip die Technik, die man gerade zu Beginn einer Karriere als Nail Designer arbeitet.

 

Entwicklung

Genau genommen ist der Tip eine aus Kunststoff gefertigte Prothese, die am proximalen Ende des Fingernagels angebracht wird, um den Anschein eines langen und wohlgeformten Nagels zu erzeugen. Erst in den 70er-Jahren wurden die ersten Tipserien auf dem Markt vorgestellt. Bei der Herstellung von Tips wird Kunststoff in vorgefertigte Formen gegossen. Je besser die Qualität des Kunststoffs, desto besser ist letztendlich auch die Qualität des Tips. Während zu Beginn der Entwicklung vielfach mit Full Size Tips (Tips, die den kompletten Naturnagel bedecken), die heute eigentlich nur noch für den Endverbrauchermarkt hergestellt werden, gearbeitet wurde, sind in den letzten Jahren immer mehr Tips mit sehr wenig Auflagefläche entwickelt worden.

 

Unterschiede

Neben den Materialien, die für die Herstellung der Tips verwendet und die qualitativ immer weiter entwickelt wurden, haben sich auch die Formen und die Farben der Tips über die letzten Jahre hinweg geändert. Wo zuerst nur Kunststoffe mit milchiger Farbe für die Herstellung verwendet wurden, kann der professionelle Nail Designer heute aus einer Vielzahl von Tipfarben wählen. Abhängig vom Anspruch des Kunden gibt es auch Tips, die aus klarem Kunststoff hergestellt werden. Dies hat den Vorteil, dass während der Verarbeitung die Auflagefläche des Tips nicht mehr beigefeilt werden muss. Bei Tips, die aus naturfarbenen Kunststoffen hergestellt werden und die darüber hinaus noch eine Auflagefläche haben, die bis zu 50 % des Naturnagels bedecken soll, muss diese Kontaktzone mit der Feile so an den Naturnagel angeglichen werden, dass diese Zone nicht mehr bzw. kaum noch zu sehen ist. Genau diesen Arbeitsschritt kann sich der Nail Designer ersparen, wenn er zu Tips greift, die keine bzw. nur eine ganz kleine Auflagefläche haben und nur an die freie Nagelspitze angesetzt werden. Die meisten French Tips, die aus hochweißem Material hergestellt werden, sind in dieser Weise gefertigt und weisen, wenn überhaupt, eine Auflagefläche von maximal 2 mm auf.

 

Auswahlkriterien

Bei der Auswahl von Tips ist weiterhin zu beachten, dass die Wölbung der Tips der Wölbung des Naturnagels so ähnlich wie möglich ist. Die Naturnägel der Kunden haben ganz unterschiedliche Wölbungen. Der ausgewählte Tip sollte in der Form weitestgehend der Form des Naturnagels ähneln. Nur so kann vermieden werden, dass nach dem Setzen des Tips auf den Naturnagel dieser Tip wegen seiner vorgegebenen Wölbung Spannung auf den Naturnagel ausübt. Steht ein Tip nach dem Setzen unter Spannung, wird eine Sollbruchstelle in der Modellage verursacht und beim späteren Tragen und Stößen auf die Verlängerung kann es zu Brüchen oder zum kompletten Verlust der Verlängerung kommen.

 

Tiptrends

Durch die modischen Trends der letzten Jahre wurden die Form und die Farbe der Studiomodellage dahingehend beeinflusst, dass die Kundin heute eine French Modellage mit einer hochweißen Spitze bevorzugt und darüber hinaus auch noch eine hochgezogene und dramatische Smileline wählt. Deshalb wurde auch die Statik des Tips an diese Anforderungen angepasst. Die Form, die hier beschrieben wird, wurde eigentlich aus der Meisterschaftsmodellage abgeleitet. Doch zu einer perfekten Meisterschaftsmodellage gehört auch, dass die C-Kurve der Verlängerung sehr stark ausgeprägt ist und einen Tunnel von bis zu 50 % aufweist. Erst im Laufe des Jahres 2007 wurden Tips auf dem Markt vorgestellt, die genau diese Merkmale aufweisen. Auf Rückfrage bei den Hersteller- und Vertriebsfirmen wurde bestätigt, dass die Nachfrage der Nail Designer seit dem Launch (Markteinführung) sehr rege ist. Auch wenn in der Verarbeitung von Tips immer wieder die gleichen Arbeitsschritte durchgeführt werden müssen, sind doch mit den Entwicklungen der letzten Jahre einige neue Dinge dazugekommen, auf die wir genauer eingehen möchten.

 

Vorbereitung

Zu Beginn der Arbeit wird der Naturnagel auf die Modellage vorbereitet. Schon zu diesem Zeitpunkt wird die richtige Größe des Tips ausgewählt (Bild 1). Für die Vorbereitung des Naturnagels gehört wie bei der Verarbeitung aller Techniken und Materialien auch bei der Tipmodellage das gründliche Entfernen der Nagelhautreste von der Nagelplatte. Hierzu werden mit einem Spatel die Nagelhaut von der Nagelplatte gelöst und die darauf abgelagerten Hautschüppchen entfernt (Bild 2). Ob hierzu eine elektrische Feile, Mineralfeile oder ein Metallspatel verwendet wird, bleibt dem Können des Nail Designers überlassen. Wenn die Nagelplatte frei von allen Nagelhautrückständen ist, wird sie mit Isopropylalkohol (= Isopropanol) von Staubresten befreit und gleichzeitig durch die Wirkung des Alkohols dehydriert. Abhängig vom Modellagematerial, das nach dem Setzen des Tips verwendet wird, muss unter Umständen zu diesem oder zu einem späteren Zeitpunkt ein Haftvermittler aufgetragen werden. Nun wird der Tip auf den Naturnagel gesetzt (Bild 3). Hierzu kann entweder ein Tipkleber verwendet werden oder der Tip kann auch mit etwas Modellageprodukt (Pulver-Flüssigkeit oder Resin) gesetzt werden. Der Vorteil des Setzens mit einem Modellageprodukt ist, dass dieses sich nicht im Wasser zersetzt oder von Feuchtigkeit angegriffen wird, was bei einigen Tipklebern immer wieder vorkommen kann. Würde beim späteren Tragen der Tipmodellage ein Bruch im Überzug stattfinden, könnte die Feuchtigkeit den Tipkleber anlösen und somit den Verlust des Tips verursachen. Wenn der Tip auf dem Naturnagel gesetzt wurde, sollten die Flügel des Tips mit einer Pinzette gut festgedrückt werden. Durch die hochgezogene Smileline, die geringe Auflagefläche der French Tip und den ausgeprägten Tunnel liegen die Spitzen des Tips nicht unbedingt auf dem Naturnagel auf. Durch das Andrücken mit einer Pinzette werden spätere Probleme schon zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen.

 

Anleitung

Nachdem der Tip am Ende des Nagels befestigt wurde (Bild 4) wird mit einem Tip-Cutter bzw. einem Nagelzwicker der Tip auf die gewünschte Länge gekürzt (Bild 5). Danach wird die Form der Modellage erstellt, was nicht nur Material sondern vor allen Dingen auch Arbeitszeit spart. Im Anschluss daran wird das Nagelbett mit einem deckenden Camouflageprodukt überzogen (Bild 6). Über den Tip wird klares Modellage-Gel aufgetragen, das die Stabilität der Verlängerung optimiert (Bild 7). Zum Abschluss des Produktauftrags wird eine Produktschicht über den gesamten Nagel aufgebracht (Bild 8). Nach dem Anhärten wird das Produkt in Form gefeilt und aufpoliert bzw. mit einem Versiegelungsgel überzogen und entsprechend der Herstellerangaben ausgehärtet (Bild 9 ).

 

Weitere Informationen über TipTechnik...

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