Tiptechnik

Ein Tip ist eine aus Kunststoff hergestellte und vorgeformte Prothese, die mit einem Klebstoff am Naturnagel befestigt wird. In den meisten Fällen findet man an der Unterseite, also auf der konkaven Seite des Tips, eine Einkerbung, die als Auflagefläche dient. Diese Auflagefläche wird auf den Naturnagel geklebt und sollte nie mehr als die Hälfte des Nagelbetts bedecken.

Die Kante des Naturnagels sollte so angepasst werden, dass diese nahtlos mit der Kante der Auflagefläche abschließt. Wegen der unterschiedlichen Formen des Nagelbetts und der doch festen Form des Tips ist es unbedingt nötig, den Tip anhand der Form des Nagelbetts auszuwählen. Die Auflagefläche des Tips sollte so ähnlich wie möglich an die Form des Naturnagels angepasst sein. Bei einem gewölbten Nagelbett mit ausgeprägter C-Kurve und Arch muss auch die Auflagefläche des Tips in gleichem Maße gewölbt sein.

 

Würde in dieser Situation ein Tip mit einer flachen Auflagefläche gewählt und gesetzt, dann würde die Spannung, unter der das Setzen zustande kommt, eine Sollbruchstelle in der Modellage verursachen. Die Klebefläche würde sich wegen der ständigen Spannung, die durch den anders geformten Tip verursacht wird, vom Naturnagel lösen und der Tipkleber würde sich nach und nach durch eingedrungene Feuchtigkeit lösen. Die Folge: Der Überzug und der Tip würden sich gemeinsam liften und abheben. Es gibt unzählige verschiedene Formen von Tips. Die Nail Designerin sollte aber mindestens zwei verschiedene Formen im Studio vorrätig haben, um alle Naturnagelformen abdecken zu können, eine Serie für ein gewölbtes Nagelbett und eine Serie für ein flaches Nagelbett. Jede Serie beinhaltet mindestens zehn verschiedene Größen, die anhand der Größe des Naturnagels ausgesucht werden. Ist beispielsweise die Größe 5 am Mittelfinger zu klein und die Größe 4 zu groß, sollte die größere verwendet und vor dem Setzen an die Seitenlinien der Nagelplatte angepasst werden. Ist der Tip zu klein und bedeckt er nicht 100 % der Nagelplatte, steht er wiederum unter Spannung und die gesamte Statik der Verlängerung ist minderwertig (es entstehen Sollbruchstellen). Auch die Länge der Auflagefläche muss vor dem Setzen angepasst werden. Wenn beim Anpassen der Größe und Form des Tips die Auflagefläche weiter über den Naturnagel reicht als maximal die Hälfte des Nagelbetts, muss die Auflagefläche gekürzt werden. Dies macht man mit Feilstrichen entlang der Auflagefläche, um diese entsprechend der Vorgaben des Nagelbetts zu kürzen. In diesem Arbeitsschritt kann man auch die Auflagefläche noch vor dem Setzen ausdünnen. Dazu muss aber die nötige Kontrolle der Feile gegeben sein, ansonsten wird das Setzen des Tips zur Akrobatik.

Da die Kundin eine bestimmte Vorstellung von der Verlängerung hat, sollte diese auch bei der Wahl der Tipserie berücksichtigt werden. Ob die Kundin eine gewölbte Modellage oder eher eine flachere Verlängerung bevorzugt, muss tatsächlich in jedem Fall abgeklärt werden. Natürlich sollte der Nail Designer über die Statik der Verlängerung mit der Kundin sprechen. Denn nur mit diesem Wissen kann eine haltbare Modellage erstellt werden. Es ist also wichtig, dass im Studio mindestens vier verschiedene Serien von Tips vorrätig sind. Eine Serie mit flacher Auflagefläche und flacher Verlängerung, die zweite mit flacher Auflagefläche und gewölbter Verlängerung, die dritte mit gewölbter Auflagefläche und flacher Verlängerung und als vierte Serie benötigt die Nail Designerin eine mit gewölbter Auflagefläche und gewölbter Verlängerung. Hat man nun den passenden Tip für jeden einzelnen Nagel ausgesucht, muss der Tip gesetzt werden. Vor dem Setzen mit Kleber ist nochmals zu überprüfen, ob die Seitenlinien des Tips auch bis zur Seitenlinie des Naturnagels reichen und den Nagel komplett bedecken. Darüber hinaus wird nun nochmals die Länge der Auflagefläche überprüft, damit diese nie mehr als zur Hälfte das Nagelbett bedeckt.

Reinigen Sie nun den Naturnagel gründlich und formen Sie die freie Nagelspitze nach der Form der Kerbe der Auflagefläche des Tips. Die Einkerbung sollte einen nahtlosen Übergang zum Naturnagel bilden. Nun wird die Nagelplatte von allen Rückständen wie Öl und Feuchtigkeit gereinigt. Dazu wird ein weicher Bufferblock verwendet und die Nagelplatte in Wuchsrichtung mattiert und der Nagelplatte mit Dehydrator die Feuchtigkeit entzogen. Auch wenn die Verarbeitung des Cyanacrylatklebers keinen Dehydrator erfordert, lassen sich erfahrungsgemäß die besten und haltbarsten Ergebnisse durch eine gründliche Vorbereitung der Nagelplatte erzielen. Die Feuchtigkeit im Nagel könnte zu einer zu schnellen chemischen Reaktion des Klebers und einer Kristallisierung führen. Eine weißliche Verfärbung bzw. ein Zersetzen der Moleküle wäre die Folge. Nun wird ein Tropfen Kleber auf die Auflagefläche des Tips aufgetragen. Cyanacrylatkleber ziehen unterschiedlich schnell an und binden ihre Oberflächenmoleküle ab. Wenn dies geschieht, kann man den Tip nicht mehr auf der Nagelplatte befestigen. Es sollte darauf geachtet werden, nun zügig die Kerbe der Auflagefläche an der freien Nagelspitze einzurasten. Dabei wird mit einer leichten Vorwärtsbewegung die Auflagefläche auf den Naturnagel gedrückt. Es ist sicherzustellen, dass keine Lufteinschlüsse zwischen der Nagelplatte und der Auflagefläche des Tips entstehen. Zu wenig Druck kann zu Zwischenräumen über der Abschlusskante des Tips führen. Wenn zu viel Druck ausgeübt wird, kann es zu einer Hebelwirkung an der Einkerbung kommen und die Passform der Kerbe zur freien Nagelspitze ist nicht mehr gewährleis-tet. Mit ein wenig Übung ist dieser Arbeitsschritt schnell zu erlernen. Gerade zu Beginn der beruflichen Laufbahn als Nail Designer ist aber auch anzuraten, dass der Kleber direkt auf den Naturnagel aufgetragen wird. Hierbei wird auf der Hälfte des Nagelbetts der Kleber verteilt und danach der Tip in diese Fläche gehebelt. Wieder muss darauf geachtet werden, dass keine Luftbläschen oder -einschlüsse verursacht werden oder der Tip an der Kante zur freien Nagelspitze Luft zieht. Mit dem Auftragen des Tipklebers auf das Nagelbett wird auch ein übermäßiges Auslaufen des Klebers in den Nagelfalz bzw. unter die freie Nagelspitze verhindert.

Vor der Entwicklung von Cyanacrylatklebern wurde in der Nagelindustrie eine andere Technik zum Setzen des Tips verwendet. Bereiten Sie, wie schon erwähnt, den Nagel auf das Setzen des Tips vor. Nun nehmen Sie ein Bällchen des Pulver-Flüssigkeits-Systems und setzen dieses auf die vordere Hälfte der Naturnagelplatte auf und drücken es fest. Nun wird der angepasste Tip in das feuchte Produkt gedrückt und damit auf der Nagelplatte befestigt. Der Vorteil dieser Technik ist, dass das Pulver-Flüssigkeits-System nach dem Aushärten nicht mehr anfällig für Einflüsse von Feuchtigkeit ist. Auch wenn der spätere Überzug einen Haarriss aufweist, wird die Haltbarkeit der Verlängerung nicht beeinträchtigt. Heute gehen immer mehr Studios dazu über, den Tip wieder mit dem Pulver-Flüssigkeits- System zu setzen. Der Vorteil, dass dieses System nicht feuchtigkeitsempfindlich ist, hat schon viele überzeugt, wieder zu dieser altbewährten Technik zurückzukehren. Darüber hinaus ist es auch eine Technik, die nicht von einer Kundin nachgearbeitet werden kann. Dadurch wird eine gewisse Kundenbindung erreicht.

Noch bevor der Überzug über den gesetzten Tip gearbeitet werden kann, muss die Auflagefläche des Tips transparent gefeilt werden. Gerade dieser Arbeitsschritt ist von so großer Bedeutung für die Haltbarkeit, dass wir hier ausführlich darauf eingehen werden.

Bei der Befeilung der Auflagefläche des Tips und dem Anpassen an den Naturnagel ist das Befeilen des Naturnagels fast nicht auszuschließen. Die obere Kante des Tips muss mit der Nagelplatte eben sein und die Auflagefläche transparent auf dem Nagelbett liegen. Gerade zu Beginn einer Karriere als Nail Designer kommt es immer wieder vor, dass durch das Befeilen der Auflagefläche der Naturnagel in Mitleidenschaft gezogen wird. Gerade die Kantenbefeilung kreiert oft eine sehr schwache Stelle in der Naturnagelplatte, die später beim Tragen von Nagelverlängerungen zur Sollbruchstelle des Naturnagels werden kann. Ein Nagelbettbruch ist nicht selten die Folge unsachgemäßer Befeilung des Tips. Besondere Vorkehrungen sollten daher getroffen werden, um die Schädigung des Naturnagels bestmöglich zu verhindern. Eine einfache und dennoch sehr effektive Lösung ist das Überziehen des Naturnagels mit einem Brush on Resin noch vor dem eigentlichen Setzen der Tips. Wenn ein, zwei oder sogar drei Schichten Resin auf den Naturnagel aufgetragen werden, kann die Auflagefläche des Tips ohne jede Verletzungsgefahr an den Naturnagel bzw. den Überzug angeglichen werden. Natürlich muss dies beim Aussuchen der Tipgrößen beachtet und die eigentliche Auswahl erst nach Erstellen der Überzüge getroffen werden.

Hier finden Sie eine Anleitung für Tipmodellage...

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