Fiberglas- oder Wrapsystem

Wie auch beim Pulver-Flüssigkeits- und dem Gelsystem handelt es sich bei den Inhaltsstoffen des Fiberglas- oder Wrapsystems um Acrylate. Das Fiberglassystem besteht aus zwei Komponenten, die, zusammen verarbeitet, das Modellagematerial für dieses System bilden. Das Resin ist ein Cyanacrylatkleber, der mithilfe eines Aktivators ausgehärtet wird. Es polymerisiert auch unter Zuführung von Wärmeenergie, die durch die Zimmer- bzw. Körpertemperatur vorhanden ist. Auch wenn immer wieder der Vergleich zum Tipkleber, der auch aus Cyanacrylat besteht, gezogen wird, handelt es sich in den meisten Fällen um einen raffinierten Werkstoff. Dies bedeutet, dass die Inhaltsstoffe des Resins in ihrer chemischen Zusammensetzung reiner als die des Tipklebers sind. Richtig ist die Feststellung, dass ein Resin als Tipkleber verwendet werden kann. Umgekehrt sollte man aber nicht versuchen, mit Tipkleber eine Nagelmodellage zu arbeiten, da er nicht längerfristig haltbar ist und bei Stößen an der Verlängerung wie Glas splittert.

Nach dem Auftrag des Resins auf den Nagel wird der Aktivator aufgebracht. Dies kann mit einem Sprayaktivator oder mit einem flüssigen Aktivator gearbeitet werden. Beim Sprayaktivator ist darauf zu achten, dass die Vernebelung des Sprühkopfs so fein ist, dass kein Pittingeffekt auf der Materialoberfläche entsteht. Dieser Pittingeffekt wird durch das Auftreffen der Tröpfchen auf das Resin und die damit einhergehende Aushärtung des Materials hervorgerufen. Es entstehen kleine Vertiefungen, die man Pits nennt.

Cyanacrylatkleber kommt aus der Medizin, wo er zum Kleben kleiner Wunden und Verletzungen eingesetzt wird. Wenn das Nähen einer Wunde größere Verletzungen verursachen würde als die eigentliche Wunde, werden in der Unfallmedizin vermehrt Wundkleber auf Cyanacrylatbasis eingesetzt. In der Nagelindustrie hat das Fiberglassystem gegenüber den anderen Systemen klare Vorteile bei der Anhaftung am Naturnagel. Selbst auf einem sehr ölhaltigen oder feuchten Naturnagel hat das Resin keine Anhaftungsschwierigkeiten.

 

Haftung

Bei den anderen Modellagesystemen muss der „Glanz“ des Naturnagels entfernt werden, um eine Anhaftung des Modellagematerials zu erreichen. Der „Glanz“ des Naturnagels ist eine Schicht von Hornplatten, die ziegelartig die Oberfläche des Naturnagels bilden und als Stratum corneum bezeichnet werden. Die honigartige Konsis-tenz des Gels oder Pulver-Flüssigkeits-Systems erlaubt keine Anhaftung auf dem Stratum corneum. Diese Hornplatten liegen auf dem Naturnagel, um das Eindringen von Flüssigkeiten oder anderen Stoffen zu verhindern. Durch diese Schutzeigenschaft würde eine Anhaftung unterbunden und beim Arbeiten mit diesen Systemen wird der Naturnagel mattiert und damit das Stratum corneum vom Nagel entfernt. Beim Fiberglassystem ist wegen der chemischen Zusammensetzung des Klebers die Anhaftung am ungeöffneten Nagel ohne Probleme möglich, wenn darauf geachtet wird, dass beim ersten Auftrag auf dem Naturnagel ein Resin mit hoher Viskosität verwendet wird. Wird ein dickflüssiges Resin verwendet, sollte auch bei diesem System der Naturnagel mattiert werden. Der Einsatz säurehaltiger Haftvermittler oder Primer ist nicht zu empfehlen. Vergleichbar wäre dies mit einem Stück Holz, das man trotz witterungsbedingter Oberflächenschädigung dennoch unbehandelt streichen würde. Hierbei würde der Feuchtigkeitsgehalt der Farbe in das Holz aufgesogen und der Überzug in kurzer Zeit brüchig werden. Wenn der Naturnagel sehr trocken und spröde ist, sollte er mit Öl vorbehandelt werden, um einen optimalen Überzug durch das Modellagematerial zu ermöglichen.

 

Arbeitsweise

Ein weiterer Vorteil des Fiberglassystems ist der Schutz des Naturnagels. Im Grundarbeitsschritt wird der Naturnagel noch vor dem Setzen des Tips mit Resin überzogen. Wenn nun der Tip transparent gefeilt werden muss, kann selbst ein Anfänger im Nail Design den Naturnagel mit der Befeilung nicht beschädigen. Aber auch das Fiberglas- oder Wrapsystem hat ganz offensichtliche Nachteile. Bislang gibt es kein gefärbtes Material, das eine French Modellage mit diesem System ermöglicht. Natürlich kann die French Modellage mit weißem Gel oder dem Pulver-Flüssigkeits-System oder auch mit Nagellack gearbeitet werden. Es besteht noch ein weiterer Nachteil, den der Nail Designer bereits im Vorfeld beachten muss. Da das Resin nicht mit einem Pinsel sondern mit der Applikatorspitze aufgetragen wird, ist die French Modellage selbst mit einem eingefärbten Material so nicht möglich. Bislang wird sie entweder mit einem French Tip oder mit Lack gearbeitet. Auch der Produktauftrag ist beim Fiberglas- oder Wrapsystem gesondert zu beachten. Das Resin ist oftmals sehr dünnflüssig. Bei unvorsichtigem Produktauftrag kann das Resin in den Nagelfalz laufen, ohne dass es die Nail Designerin bemerkt. Dadurch kann es zu Liftungen und Abhebungen des Produkts kommen. Deshalb muss der sorgfältige Produktauftrag geübt werden, um eine haltbare Modellage zu gewährleisten.

 

Entfernen

Das Resin kann mit Lösungsmittel wie Aceton problemlos vom Nagel entfernt werden. Zu bedenken ist, dass Aceton den Naturnagel und das umliegende Gewebe sehr austrocknet. Ein Ablösen der Modellage sollte aus diesem Grund nur in seltenen Fällen erfolgen.

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